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Der Auftrag...Im Theater Heilbronn. Großes Haus...

23. Januar 2016, zwischen 19.30 Uhr und 21.30 Uhr.
Das Stück spielt um 1794 und beginnt mit seinem Ende: Galloudec schreibt auf seinem Totenbett in einem Brief, dass er und seine beiden Kompagnons Sasportas und Debuisson ihren Auftrag zurückgeben müssen, weil sie ihn nicht erfüllen können. Eigentlich hatten Galloudec, der arme Bauer aus der Bretagne, Sasportas, der farbige Sklave, und Debuisson, Sohn von reichen Plantagenbesitzern auf Jamaika, vom Konvent der Französischen Republik den Auftrag bekommen, die in Frankreich siegreiche Revolution nach Jamaika zu tragen und einen Sklavenaufstand gegen die britische Krone anzuzetteln. Kaum auf der heimatlichen Plantage angekommen, begegnet Debuisson seiner ersten Liebe, die er für die Revolution in Frankreich verließ. Unterdessen brechen auch die Unterschiede zwischen den dreien auf – der Sklave und der arme Bauer haben nicht die gleichen Interessen wie der reiche Weiße. Als sie Nachricht erhalten, dass die Republik in Frankreich gestürzt ist und Napoleon sich zum Kaiser gekrönt hat, will Debuisson sofort vom Auftrag zurücktreten. Sasportas und Galloudec wollen mit ihrer Mission weitermachen, solange es Sklaven und Herren gibt.
Eingeschoben ist ein Zeitsprung in unsere Tage. Ein namenloser Angestellter steht im Fahrstuhl und ist auf dem Weg zum Chef, der mit einem Auftrag auf ihn wartet. Plötzlich scheinen Raum und Zeit aus den Fugen zu geraten und als die Fahrstuhltür sich öffnet, findet sich der Mann nicht mehr in seinem Bürohochhaus, sondern auf einer heruntergekommenen Straße in einem Armutsviertel in Peru wieder.
Heiner Müller stellt in seinem Stück die grundsätzliche Frage nach dem Fortschritt in der Entwicklung der Menschheit. Im »Auftrag« zeigt er die Welt in einem Zustand unauflösbarer Widersprüche, Entwicklung als Entwicklungslosigkeit. 1979 schrieb er dieses Stück nach der Erzählung von Anna Seghers »Das Licht auf dem Galgen«. Bereits 1980 wurde das Stück unter seiner Regie in der DDR aufgeführt, 1981 folgten Aufführungen in der BRD, unter anderem in Stuttgart. Auch 20 Jahre nach dem Tod des Autors lebt die Menschheit fort in ihrer Teilung zwischen Arm und Reich, zwischen erster und dritter Welt.

Aber Müller sagte: »Mein Interesse an der Wiederkehr des Gleichen ist ein Interesse an der Sprengung des Kontinuums.«   
 "Wer das Glück hatte, dieses Erlebnis, das jedem Staatstheater zur Ehre gereichen würde, mit einem klugen Menschen teilen zu dürfen, für den war der Abend noch lange nicht vorbei, zu viel Gesprächsstoff hat das Stück geliefert.“
Arnim Bauer, Ludwigsburger Kreiszeitung
 "Trotz der Schwere des Stoffes gelingt Vornam eine dichte, packende Inszenierung, die sich auf großartige Schauspieler stützen kann: Stefan Eichberg, Tobias D. Weber und Anjo Czernich wird körperlich und geistig alles abverlangt.“
 Uwe Grosser, Heilbronner Stimme


 

Geschichten...vom fliehen und ankommen...

Am 28. Januar haben Cosima und Natasa zusammen, wie ich finde, ein hochaktuelles Stück im Abraham Gumbel Saal in der Volksbank  Heilbronn zum Besten gegeben.
"Geschichten vom Fliehen und Ankommen" geht jeden an und lässt keinen Meinungslos. In akribischer Kleinstarbeit wurden in dem etwa 80 Minuten langen Stück nahezu alle Aspekte zu diesem Thema beleuchtet.
Unzählige Menschen sind von Flucht betroffen.
Die Geschichten setzten sich mit dem Fliehen, Ankommen und Fluchtgründen auseinander und mit Lebensgeschichten von Menschen, die eine Flucht wagen, weil sie keinen Ausweg mehr sehen. Vertreibung, Elend und Flucht gibt es aber nicht nur heute, sondern sind auch Themen der Geschichte. Vor etwa 200 Jahren gab es beispielsweise eine große Auswanderungswelle aus dem Herzogtum Württemberg.

Im 2. Weltkrieg mussten viele Menschen fliehen.
Die beiden Schauspielerinnen Cosima Greeven und Natasa Rikanovic nahmen die Heilbronner Zuschauer mit ihrem nachdrücklichen Spiel sofort gefangen und rüttelten auf. „Viel Stoff zum Nachdenken“, meinte eine Zuschauerin und eine andere ergänzte: „Ich habe Gänsehaut!“
Trotz schwieriger Themen und eindrücklicher Szenen im Kostüm von Frontsoldaten, einem grausamen Spiel wie Schiffe versenken vor Lampedusa und Gesetzlosigkeit kamen auch Gefühle wie Hoffnung und Sehnsucht auf. Die Theatergruppe des "Kulturellen Zwischenraums" überzeugte und machte betroffen.
Dass die Menschenwürde antastbar ist, wurde leider auch allzu deutlich an diesem Abend.
Auch gut gefallen hat mir in diesem Stück auch der perfekte Einsatz von Puppen. Mit welcher Überzeugung zum Beispiel: " Schiffe versenken" gespielt wurde, war beeindruckend. Im Anschluss daran, konnte man mit Cosima und Natasa über das aufgeführte Stück reden.

Alles in Allem war es ein gelungener Theaterabend in einem kleineren Ambiente.


 

Letzte Bearbeitung: 04.07.2016, 19:41